Rehkitzrettung: Warum die Mahd für Wildtiere so gefährlich ist
- Sarah vom Samerberger Heustadl

- vor 12 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Es ist früher Morgen. Die Wiese liegt ruhig im Nebel. Was man nicht sieht: Mitten im hohen Gras liegt ein Rehkitz – regungslos, perfekt getarnt. Wenige Stunden später beginnt die Mahd…
Jedes Jahr sterben Tausende Rehkitze bei der Mahd – weil sie sich instinktiv nicht bewegen, sondern regungslos im hohen Gras liegen bleiben. Besonders kritisch ist der Zeitraum zwischen Mai und Juni, wenn die meisten Kitze geboren werden und zeitgleich die Mahd stattfindet. Da beim Mähen die Sicht auf den Boden eingeschränkt ist, bleiben gut getarnte Rehkitze oft unentdeckt.
In diesem Beitrag erfährst du:
Warum Rehkitze bei der Mahd gefährdet sind
Im Zeitraum von Mai bis Juni stehen bei uns Landwirten oft Mäharbeiten an – und gleichzeitig beginnt für viele Rehkitze die gefährlichste Phase ihres Lebens.
Was viele nicht wissen: Das Verhalten der Tiere ist genial – nur stellt es uns in der heutigen Bewirtschaftung vor Herausforderungen.
Rehmütter (Ricken) legen ihre Kitze bewusst ins hohe Gras
Die Kitze sind geruchlos, regungslos und perfekt getarnt
Die Mutter bleibt auf Abstand, um keine Fressfeinde anzulocken
👉 In der Natur schützt das vor Fuchs & Co.
Das Problem:
Ein Rehkitz flüchtet nicht.
Es duckt sich. Und bleibt liegen.
Genau dieses natürliche Verhalten kann bei Mäharbeiten zum Problem werden.
Zahlen & Fakten zur Rehkitzrettung
Jedes Jahr sterben in Deutschland bis zu 100.000 Rehkitze bei Mäharbeiten – besonders gefährdet sind sie im Zeitraum von Mai bis Juni, wenn Setzzeit und Mahd der Wiesen zusammenfallen. (vgl. deutschewildtierstiftung.de)
Das Risiko ist real – und eine Herausforderung, die viele landwirtschaftliche Betriebe betrifft. Rehkitzrettung ist heute eine der wichtigsten Maßnahmen, um Tiere vor Mäharbeiten zu schützen.
Wie Rehkitzrettung funktioniert
Zum Schutz der Tiere setzen viele Betriebe bewusst auf zusätzliche Maßnahmen – wir ebenfalls. Ein wichtiger Schritt passiert schon vor der Mahd: Wir stehen im engen Austausch mit den ansässigen Jägern, um den aktuellen Status auf unseren Flächen abzufragen.
Hat die Setzzeit bereits begonnen?
Wo wurden Kitze gesetzt?
Welche Wiesen sind besonders sensibel?
Wo ist besondere Vorsicht geboten?
Erst danach starten wir gemeinsam mit der KitzDrohne Inntal e.V. die gezielte Suche.
So läuft die Rehkitzrettung ab
Früh morgens werden unsere Wiesen mit Wärmebild-Drohnen abgeflogen
Entdeckte Kitze werden punktgenau lokalisiert
Anschließend werden sie mit einem Wäschekorb oder speziellen Schutzkörben gesichert, ohne sie unnötig zu berühren
Die Fläche wird dann vorsichtig gemäht
Nach der Mahd wird der Korb entfernt – das Kitz bleibt ungestört liegen und wird von der Ricke sicher wiedergefunden und versorgt.
Mit Sorgfalt, Erfahrung und der richtigen Technik lassen sich so jedes Jahr viele Kitze retten.
Warum uns das als landwirtschaftlicher Betrieb so wichtig ist
Für uns ist das kein „Extra“ – sondern Teil unserer Verantwortung.
Denn:
Gutes Heu entsteht nicht erst im Sack – sondern auf der Wiese.
Und genau dort beginnt nachhaltige Landwirtschaft.
Das bedeutet für uns:
enge Zusammenarbeit mit Jägern und Helfern
aufmerksam sein und mitdenken
Zeit investieren, auch wenn es Aufwand ist
Verantwortung übernehmen – für Tier und Natur
Heu ist ein Naturprodukt. Und Natur bedeutet immer auch: im Einklang arbeiten.

Was du als Tierhalter daraus mitnehmen kannst
Vielleicht fragst du dich: „Was hat das mit mir und meinem Kaninchen, Meerschweinchen… zu tun?“
Mehr als du denkst.
Hinter jedem guten Heu steckt echte Arbeit
Qualität beginnt lange vor der Ernte
Wir investieren bewusst mehr Zeit
Denn Verantwortung endet nicht beim Hersteller – auch du als Käufer entscheidest mit deiner Kaufentscheidung, was du unterstützt.
Wenn du auf hochwertiges Heu und Transparenz achtest, unterstützt du automatisch solche Maßnahmen.
👉 Unser Samerberger Wiesenheu entsteht genau unter diesen Voraussetzungen.
Und wenn du noch mehr tun willst:
Unterstütze Projekte wie die KitzDrohne Inntal e.V. mit Spenden, einer Mitgliedschaft oder deiner Mithilfe
Teile das Thema – viele kennen das Problem gar nicht
Achte beim Kauf auf Herkunft und Transparenz
Fazit zur Rehkitzrettung
Die Rehkitzrettung zeigt, worum es in der Landwirtschaft wirklich geht:
Umsichtig sein.
Herausforderungen erkennen.
Lösungen finden.
Verantwortung übernehmen.
Und genau das macht am Ende den Unterschied – für die Tiere auf der Wiese und für die Qualität in den Heuraufen.
FAQ – Häufige Fragen zur Rehkitzrettung
Warum laufen Rehkitze nicht weg?
Weil sie einen natürlichen Schutzmechanismus haben: den sogenannten „Drückinstinkt“. Sie bleiben regungslos liegen, um nicht entdeckt zu werden.
Wann ist die Gefahr für Rehkitze am größten?
Im Zeitraum von Mai bis Juni, wenn die Setzzeit der Rehe mit der ersten Mahd zusammenfällt.
Warum arbeiten Landwirte mit Jägern zusammen?
Jäger kennen die Reviere und wissen oft, wo Rehkitze gesetzt wurden. Diese Informationen helfen, gefährdete Flächen frühzeitig zu erkennen.
Wie funktioniert Rehkitzrettung mit Drohnen?
Wärmebildkameras erkennen die Körperwärme der Tiere im Gras. So können sie vor der Mahd gefunden und gesichert werden.
Finden die Muttertiere ihre Kitze wieder?
Ja. Wenn die Kitze nach der Mahd am gleichen Ort freigelassen werden und neutral riechen, werden sie von der Ricke wieder angenommen.
Kann ich die Rehkitzrettung unterstützen?
Ja – durch Spenden, Mithelfen, Teilen der Inhalte oder indem du gezielt nachhaltige und transparente Landwirtschaft unterstützt.





























Kommentare